Ja, er lebt noch! Er lebt noch! Er lebt noch...
Wie viel Zeit ist seit meinem letzten
Eintrag auf diesem Blog verstrichen? Eine ganze Menge! Wie viel ist
in dieser Zeit passiert? Mehr als man sich vorstellen kann!
Ich habe in ein paar Tagen mein
Zwischenseminar, was quasi gleichbedeutend mit der Halbzeit des
Auslandsjahres ist, auch wenn ich erst etwas mehr als fünf Monate
meines FWD absolviert habe.
Dass ich hier übrigens so lange nichts
geschrieben habe kann man denke ich positiv auffassen, denn es
bedeutet, dass ich eigentlich immer irgendwas zu tun hatte, mir nicht
langweilig war und ich immer gut abgelenkt war. Und glaubt mir das
war ich!
Ich werde um meine letzten Monate etwas
greifbarer zu machen mein Leben hier grob skizzieren und danach eine
Menge Eindrücke in Form von Bildern folgen lassen.
Im letzten Eintrag zu La Puna schrieb
ich noch, dass ich sehr nervös sei und auf eine sehr ungewisse Zeit
blicke. Diese Nervosität erscheint mir im Nachhinein sehr
absurd.Wieso? Weil ich mich in Rekordzeit so gut in dieses Dorf
eingelebt und integriert habe, was – das muss ich wirklich mal
betonen – beidseitig gefördert wurde. Sicher weil ich zum Einen
ein offener, kommunikativer und interessierter Mensch bin, sicher
auch, weil man diese Eigenschaften dem Großteil der Bevölkerung La
Punas auch zuschreiben kann. Ich habe einfach gemerkt, dass durch
meine Präsenz die Leute Stück für Stück an Distanziertheit und
Ahnungslosigkeit verloren haben und ich im Nu ein Begriff vom ersten
bis zum letzten Haus hier bin. Jeder kennt mich – ich kenne fast
jeden. Jeder kennt meinen Namen und erkundigt sich nach mir, was ein
schönes und auch lustiges Gefühl ist, wenn plötzlich jemand auf
einen zu kommt dessen Namen man selber nicht kennt. Falls ich es noch
nicht erwähnt habe ich werde hier “Mau” genannt, weil ich hier
ja Mauricio bin. Inzwischen fühl ich mich also gar nicht mehr fremd
hier – im Gegenteil – ich fühle mich vielmehr als Teil der
Dorfgemeinschaft. Ein was bedauere ich aber doch etwas. Ich komme
zwar mit so ziemlich allen sehr gut klar, aber mir fehlt im Umfeld
wirklich jemand, dem ich mein Herz ausschütten kann oder der mich
einfach mal fest umarmt. Im Endeffekt bin ich dann doch nur ein Guppi
im Aquarium, der seinen Platz hinter der Anämone sicher hat, aber
weiß, dass seine Liebsten in anderen Gewässern unterwegs sind.
Soweit zu meiner Sozialisierung hier im Dorf.
Was mache ich den lieben langen Tag? So
ziemlich alles, was ich in Deutschland sonst nicht machen würde
(außer Fußbalspielen vielleicht...). Die Arbeit mit den Kindern ist
durch die Sommerferien, die mi Dezember anfingen, etwas ins Stocken
geraten, aber im Allgemeinen läuft es gut. Ich mache im Schnitt
einmal die Woche die Trainings mit den Kindern hier. Bei folgenden
Freiwillligen könnte es auf jeden Fall noch öfter sein. Dadurch,
dass ich der erste Freiwillige hier überhaupt bin fehlt an einigen
Stellen definitiv noch die Koordination. Es wäre bspw. einfacher
hätte man eine Art Gruppe von Müttern der Kinder, in die man
schreiben könnte wann Training ist und ich müsste nicht jedes Mal
aufs Neue von Haus zu Haus gehen und alle einladen. Also man müsste
eine gewisse Routine etablieren. Aber wie gesagt, dass wurde durch
die Sommerferien hier etwas erschwert. Ich bin aber gerade dabei ein
großes Fußballturnier für alle Kinder hier zu organiseren, mit
tollen Preisen, Musik, Essen usw. Ich denke so eine Art Großevent
kommt bestimmt gut an und es ist auch eine angemessene
Herausforderung für mich einen Erfolg daraus erwachsen zu lassen.
Ferner hab ich vielerlei Einblicke und
Wissen in Sachen Landwirtschaft erworben. Also generell habe ich sehr
viele handwerkliche Fähigkeiten erworben, die ich in Deutschlnd
niemals so erfahren hätte. Dazu mehr in den Bildern, die dann
folgen.
Ganz Allgemein würde ich sagen, dass
ich meine Arbeit hier eigentlich nicht so wirklich als Arbeit sehe,
sondern vielmehr als ständigen Lernprozess für mich. Im Grunde
genommen hört die Arbeit hier ja auch nie auf. Sei es beispielsweise
am Nachmittag auf dem Bolzplatz mit den Kindern zu spielen und einen
Streit zu schlichten und sich dann über grundlegende Werte des
Zusammenlebens zu unterhalten. Normalerweise habe ich auch am
Wochenende frei, dennoch stehe ich manchmal trotzdem sehr früh auf
und helfe einem meiner Gastonkel auf dem Feld z.B. beim Reis ernten,
einfach um diese Erfahrung “mitzunehmen”.
Darüberhinaus haben wir mit der
“Asociación de Desarollo” hier ein Recycling-Projekt in Gang
gesetzt, das Stück für Stück mehr Früchte trägt. Konkret heißt
das, dass jetzt einmal im Monat ein Lastwagen vorbeikommt und den
Recycling-Müll einsammelt. Wenn das gut läuft, wird hier irgendwann
eine regelmäßige Müllabfuhr vorbeikommen. Das Problem ist nämlich,
dass die Menschen hier nicht ihren Müll trennen und einfach alles
verbrennen. Viele wissen auch gar nicht, was man überhaupt recyclen
kann. Eine Freundin meiner Gastmutter und ich sind also von Haus zu
Haus gegangen, haben den Menschen das Konzept erklärt und
darüberaufgeklärt, was man überhaupt recyclen kann. Das alles hat
den Vorteil, dass die Menschen weniger Müll verbrennen müssen und
auch weniger umweltschädliche Gase freigesetzt werden. Wie gesagt,
das Projekt trägt Monat für Monat mehr Früchte und wir bekommen
mehr Recycling-Müll als noch zu Anfangs.
Ich wurde inzwischen übrigens schon
öfter gefragt, was jetzt genau eigentlich das Konzept meiner Arbeit
ist. Ja, das habe ich mich auch öfters gefragt, schließlich mache
ich ja viel weniger das, was ich in meinen allerersten Einträgen
angekündigt hatte. (Dafür bitte einfach nochmal nachlesen) Das
bleibt dennoch die grundsätzliche Arbeit meiner Organisation
Seprojoven. Dadurch, dass wir dieses Jahr aber mehr Freiwillige sind
als die letzen Jahre, haben sie sich überlegt uns alle im Land auf
verschiedene ländliche bzw. Indigene Gemeinden zu verteilen, um
gezielt vor Ort viel mehr präsent zu sein und zu arbeiten. Das
erachte ich als sehr sinnvoll, so bleibt es nicht bei den
unregelmäßigen Reisen in die Gemeinden und den sportlichen
Aktivitäten an einem Wochenende sag ich mal. Die Idee ist vielmehr,
dass wir eine allgemeine Unterstützung für die jewelige ländliche
bzw. Indigene Gemeinde sind. Ich bin also hier in dem Bauerndorf La
Puna gelandet und arbeite neben meiner Arbeit mit den Kindern
grundsätzlich überall da wo Arbeit anfällt. Die Idee ist, dass wir
uns in der Gemeinde einleben sollen und dazu einen interkulturellen
Austausch fördern. Vorrausgesetzt wird dafür sehr viel
Eigeninitiative. An sich ist das echt cool, weil man wie sein eigener
Chef ist.
Grundsätzlich fühl ich mich hier also
wohl und mir geht es eigentlich echt ganz gut. Dennoch habe ich
meinem “Chef”/Freund Alonso gesagt, dass ich mich ja für ein
Projekt mit Indigenen beworben habe und mir dieser Aspekt wirklich
deutlich zu kurz kommt. Die anderen Mitfreiwilligen von Seprojoven
sind nämlich in indigenen Gemeinden eingesetzt. Für die zweite
Hälfte des Jahres hätte ich das gerne vertiefter und gerade ist er
dabei zu organiseren, dass ich in das indigene Dorf La Casona komme
(ich hatte vor einiger Zeit mal einen Bericht verfasst). Mal schauen
ob das klappt. In den letzten Tagen habe ich nämlich ein blödes
Stagnationsgefühl und ich merke, dass mir ein bisschen Bewegung/ein
bisschen Wandel sehr gut tun würde. Das Zwischenseminar kommt jetzt
also genau zur richtigen Zeit, um das mit meiner Mentorin etwas
aufzuarbeiten.
Sooo, viel mehr will ich gar nicht
sagen, sondern lass jetzt einfach mal Bilder sprechen.
Pura vida
Mau

Er lebt noch ;)
AntwortenLöschenSchön mal wieder was von dir zu lesen
Greetz aus Georgien