Da ist was los da in La Casona!
In den letzten Wochen seit meinem
letzten Blogeintrag ist so viel passiert, ich erlebe täglich so
viel, lerne so viel dazu und nehme mir daher mal wieder etwas Zeit
einen Eintrag zu verfassen. Natürlich muss bewusst sein, dass ich
hier wirklich nur einen Bruchteil meiner Erfahrungen und Erkenntnisse
teilen kann.
In meiner Arbeitsstelle und in meiner
Wohnung in Heredia bin ich super angekommen. In meiner Organisation
sind noch eine Mitfreiwillige von Brot für die Welt und zwei Jungs
und zwei Mädchen vom Deutschen Roten Kreuz. Wir alle werden im Laufe
des Jahres überall irgendwo im Land verteilt wohnen. Aktuell wohne
ich mit zwei meiner Chefs (Alonso und Macha), Isabel (Brot für die
Welt) und Clemens (DRK) in einer gemütlichen Wohnung. Die Trainings
in Guararí, einem Armentviertel von Heredia mit den Mädchen und
Jungs machen Spaß und sind beeindruckend für mich. Zu diesen werde
ich bald mal einen eigenen Eintrag verfassen. Vielmehr brennt mir
eine ganz andere Erfahrung auf der Zunge, die ich hier
niederschreiben muss.
Ich hatte das Glück, dass meine Chefs
(wir sehen uns eigentlich als compañeros
und es ist eher ein freundschaftliches Verhältnis) Roy, Macha und
Alonso mich ausgewählt haben sie zu einem besonderen Anlass mit in
die berühmt berüchtigte Zona Sur des Landes zu begleiten. Davon
abgesehen, dass die Indigenen Ethnien sowieso Zielgruppen meines
Projekts sind ging es diesmal darum ein Filmteam des ZDF zu
begleiten. In Kooperation mit Brot für die Welt sollten sie einen
Kurzfilm für eine Spendengala über die indigene Komune “La
Casona” und unser Sportprojekt mit den Indigenen drehen. Ich sollte
dort als Übersetzer fungieren, da das dreiköpfige Filmteam (das nur
aus Männern bestand) kaum ein Wort Spansich sprach. Es war jedoch
auch ein Vertreter aus dem Auslandsbüro von Brot für die Welt aus
San José dabei, der eigentlich der Hauptübersetzer war. Vorweg
nehmen kann ich, dass mir die Art und Weise des Drehs überhaupt
nicht gefallen hat. Alles wurde sehr stark inszeniert. Die Frauen
sollten in ihrer traditionellen indigenen Kleidung Fußball spielen,
obwohl sie das eigentlich nicht tun. Moderne Elemente, wie Handys
oder normale Tshirts, durften nicht vorkommen... Alles nach dem
Motto, als würden die Indigenen noch wie vor hundert Jahren leben.
Also quasi eine sehr postkoloniale Darstellung. Es wurde in meinen
Augen nicht die Realität abgebildet, sondern es wirkte sehr oft sehr
gestellt. Hinzu kommt, dass die Deutschen einen sehr getakteten und
stressigen Drehplan hatten. Hier fehlte die Sensibilität dafür,
dass in diesem Land – erst recht bei den Indigenen – die Zeit
viel langsamer läuft und sie ihren eigenen Rhytmus haben. Das müsste
eigentlich beachtet werden. Irgendwann haben wir uns auch
eingeschaltet und etwas mehr Sensibilität und Respekt der Kultur und
den Menschen gegenüber gefordert. Da merkt man mal wieder, wie
geheuchelt eigentlich viele Massenmedien sind und wie verzerrt
Informationen dargestellt werden... (meine Meinung)
Jedoch muss ich sagen, dass mir diese
Reise unfassbar gut gefallen hat und dieser Aufenthalt in La Casona
so einzigartig war. Ein Besuch eines indigenen Dorfes lässt sich
einfach mit nichts vergleichen. Als ich vor einigen Wochen gesagt
habe, dass ich so angetan von der Magie vom Manuel Antonio
Nationapark war, dann muss ich das etwas relativieren. Nichts, aber
auch wirklich gar nichts, erreicht die Magie, den eine indigene
Komune ausstrahlt. Wenn zwischen Dresden und San José schon Welten
liegen, dann liegen zwischen Dresden und einem indigenen Dorf
Galaxien! Die Art und Weise wie bescheiden die Menschen dort leben.
Ihre Offenheit und Herzlichkeit, auch wenn man sich trotzdem als ein
Fremder fühlt. La Casona ist ein indigenes Dorf der Ethnie der
“Ngöbe”. Was die Magie von La Casona noch verstärkt hat, ist
das die Ngöbes ihre Kultur und Traditionen sehr gut bewahrt haben.
Über neunzig Prozent der Einwohner des Dorfes sprechen die bewahrte
Sprache “Ngobegüe”. Die meisten Frauen laufen in der
traditionellen Kleidung herum. Und auch Feste werden regelmäßig
gefeiert. Darüber hinaus war ich sehr angetan, wie bescheiden und
genügsam die Indigenen dort leben. Sie kochen ihr Essen über dem
Feuer. Leben in einfacheren Häusern mit Wellblechdächern. Es mag an
dieser Stelle vielleicht widersprüchlig klingen zu dem, was ich
vorhin über die Darstellung des Filmteams geäußert habe. Ist es
aber nicht. Glaubt mir! Die Indigenen sind sehr wohl mit der Zeit
gegangen, schaffen es jedoch ihre Tradition und Kultur zu bewahren.
Um nachzuvollziehen warum ich einen solchen Ort als so magisch und
einzigartig empfinde muss man mal dort gewesen sein. Ich merke
gerade, dass es mir sehr schwer fällt meine Gedanken und Erlebnisse
in Worte zu fassen, deswegen lasse ich einfach mal ein paar visuelle
Eindrücke folgen...
Indigenes Mädchen in traditioneller Kleidung, dass für den Dreh eine Pferd hält.
Auf dem Weg durch La Casona.
Blick auf die Schule La Casonas von einer Anhöhe. Die Schule beherbergt tatsächlich 180Schüler.
Das Wort "aromatisch" für diesen Café zu verwenden wäre untertrieben,
Ein sehr prägender Eindruck von diesem Tag war als wir von Don Victór (er ist nicht auf dem Bild), einem guten Freund aus La Casona von Roy (links) und Alonso (ganz rechts) ein besonderes Getränk bekamen. (Alonso hat den Kürbisbecher gerade in der Hand) Don Victór ist ein Natur Mediziner in der indigenen Komune. Er hat uns irgendein Gebräu hauptsächlich aus Guave aber auch aus anderen Pflanzen zubereitet. Er meinte es solle unseren Körper reinigen, wenn wir es trinken. Es war zwar echt nicht lecker, aber ich muss sagen mein Körper hat sich echt lange nicht mehr so durchgespült angefühlt. Fragt mich nicht was das Gebräu noch mit einem macht, aber ich bin gestern schon um 8 eingeschlafen...
Blick in die Küche eines Hauses einer indigenen Familie.
Fußball spielt in allen Teilen des Landes eine wichtige Rolle. Das ist in „La Casona“ nicht anders. Das Spielfeld bildet für jeden eine Art Zufluchtsort fernab von den Problemen von Zuhause, von Gewalt, Kriminalität und Armut. Es ist ein Ort wo jeder gleich ist und man nur als Team, in dem man sich gegenseitig unterstützt gewinnen kann. Auch die Indigenen haben mit Rassismus und Benachteiligung seitens der costa-ricanischen Gesellschaft zu kämpfen. Es wird teilweise erzählt sie würden Kinder verzehren... Der Fußball ist für sie, ob Junge oder Mädchen, Mann oder Frau - so war mein Eindruck - eine Art Lebenseinstellung, bei denen Sie aufblühen und sich mit voller Leidenschaft reinhauen. Bei Regen und bei Schnee, äh wohl eher Sonne.
Fußballturnier in der Schule des Dorfes. Und WAS FÜR EINE KULISSE FÜR EIN SPIELFELD!
Mittagessen :)
Tranquilidad.
Ein paradiesischer Ort.
Ein Fußballplatz mitten im Djungel. Es hat verdammt Spaß gemacht dort mit den Kindern ein bisschen zu bolzen...












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