Ein erster Tag in Costa Rica.
Völlig selbstverständlich – dem Jetlag geschuldet – wache ich putzmunter nach meiner ersten Nacht in Costa Rica um 7Uhr morgens in meinem Bett auf. Ich höre wie der Regen, der an und aus geht, wie eine Jugendherbergsdusche, seicht ans Gemäuer schlägt. Ich stehe auf und meine Gastmutter Rosy erwartet mich schon sehnsüchtig, um mir ihre selbstgemachten Tortillas con Queso und meinen ersten costaricanischen Café zum Frühstück zu servieren. DE-LI-CIO-SO! In der Folge mache ich mich auf den Weg zu meiner Sprachschule, wo wir eine Einführung erlangen. Der fünfminütige Weg hat, ob der Kürze stark beeindruckt. Ich kann mein Umfeld endlich bei Tageslicht sehen und blicke vom „Tal“ in der Kleinstadt Vázquez de Coronadoaus bei 1400m um mich in eine traumhaft schöne Landschaft gespickt von Bergketten, Vulkanen und Regenwald. In der Sprachschule empfangen sie die anderen Freiwilligen und mich sehr herzlich, was sich im Laufe des Tages auch an anderen Orten fortsetzt. Um die Mittagszeit herum bekommen wir eine kleine Stadtführung, um uns orientieren zu können. Neugierig laufe ich durch die Straßen. Der Kontrast zu Deutschland ist - wie zu erwarten - groß. Die Dynamik des Straßenverkehrs ist anders. Der Geräuschpegel ein anderer. Natürlich im Straßenverkehr, aber auch an ruhigeren Orten, an denen die Klänge verschiedenster Vögel die Ohrmuschel durchdringen. Am meisten fasziniert mich jedoch die unglaubliche Vielfalt der Pflanzenwelt Costa Ricas. Überall verschiedenste Palmenarten, Orchideen, Bambusarten und viele weitere Pflanzen, die ich gar nicht zuordnen kann... Am Nachmittag gehen meine Mitfreiwilligen und ich in das Café „Kaffa“ und ich gönne mir mal was. Einen Plato de Dia mit Reis, Bohnen, Kochbananen, Salat und Fleisch in Salsasoße. Eins kann ich schon mal vorwegnehmen: das Essen überzeugt mich hier! Was ungewohnt für mich ist: wenn man plötzlich aus dem Sommer Deutschlands, wo die Sonne aktuell vielleicht gegen 9Uhr abends untergeht, hierherkommt, unterschätzt man die Äquatornähe des Landes und den Fakt, dass es hier das ganze Jahr ca. gegen sechs bis halb sieben dunkel wird. Schnell tritt eine andere Dynamik ein und ich mache mich zu Fuß im Halbdunkeln – wenn ich zuhause ankomme ist es dunkel – auf den Weg nach Hause. Man merkt, dass sich zu den überaus freundlichen Gesichtern des Tages hier auch ein paar mehr dubiose Gestalten hinzugesellen. Eine Frau, die allein unterwegs ist, würde ich nicht gerne sein. Zuhause überwiegt wieder die Herzlichkeit und Sorglosigkeit. Nach dem leckeren Abendbrot präpariert mir mein Gastbruder Hectór noch einen sagenhaften Café. Ganz ehrlich: wer es schafft weniger Bitterstoffe und mehr Aroma in einen Café zu bekommen sagt mir bitte Bescheid. Seid gewarnt: es ist quasi unmöglich. Hectór ist Barista und Cafébegeisterter, macht aus der Zubereitung eine ganze Zeremonie, lässt sich Zeit und erklärt mir, dass er den besten Café des Landes bekomme, welchen er extra mit dem Fahrrad von den Bauern aus dem Hochland des Landes abholt. Wenn man das weiß, lässt es sich doch umso besser schlafen!
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